Junge mit Schnuller

So entwöhnen Sie Ihr Kind vom Schnuller

Schnuller können Zähne und Kiefer von Kindern schädigen. Deshalb gilt: Am besten gar nicht mit dem Nuckeln anfangen oder möglichst bald damit aufhören.

 

Schnuller führt zu Zahnfehlstellungen

Ohne ihren Schnuller schläft die kleine Melanie nicht ein. Und auch untertags will sie nur ungern auf das Nuckeln verzichten. Sollte sie aber, denn die meisten Kinderärzte sind sich einig: Schnuller sind eigentlich unnötig und möglicherweise nachteilig. Sie führen auf Dauer zu Kieferfehlbildungen, Zahnfehlstellungen und Karies, können die Sprachentwicklung stören und fördern gelegentlich Ohrinfekte mit nachfolgender Hörbeeinträchtigung, Mandelentzündungen und adenoide Wucherungen, so genannte „Polypen“. Rat der Mediziner: Eltern sollten ihre Kinder deshalb gar nicht erst an den Schnuller gewöhnen. Einziger Vorteil des Schnullers ist sein beruhigender Effekt. Kinder, die nach Bedarf gestillt werden, haben diesen jedoch in den meisten Fällen nicht nötig. Für alle anderen Säuglinge sollte spätestens mit sieben Monaten Schluss mit dem Schnuller sein. Danach kommen die ersten Zähne, bald darauf beginnen die gezielte Greifphase und das Erlernen erster Worte. In dieser Zeit brauchen die Kinder besonders intensive verbale Anregung, Beschäftigung und Zuwendung und nicht Ruhigstellen durch den Schnuller oder – was noch schädlicher ist – durch die Nuckelflasche. Allenfalls Frühgeborene mit ihrem besonders hohen Saugbedürfnis dürfen bis zum ersten Geburtstag am Schnuller nuckeln. Bis zu dieser zeitlichen Grenze können sich bereits eingetretene Schäden noch von allein zurückbilden. Zahn- und Kieferfehlstellungen, die durch Nuckelgewohnheiten nach dem ersten Lebensjahr entstanden sind, müssen später meist kieferorthopädisch behandelt werden.

 

So entwöhnen Sie Ihr Kind vom Schnuller

Viele Eltern haben Angst, ihren Kindern den Schnuller wegzunehmen. Kinderarzt Dr. Wolfram Hartmann: „Eltern hilft es, wenn sie bei diesem Schritt mit der gleichen festen inneren Überzeugung vorgehen, mit der sie ihr Kind etwa von der Gurtpflicht im Auto überzeugen. Ein bewährter Trick: in den Schnuller einstechen, so dass er schlaff wird. Wöchentlich den Nuckel dann um etwa einen Millimeter mit der Schere abschneiden, bis nichts mehr davon übrig ist. Gleichzeitige Zuwendung erleichtert das Abgewöhnen.“ Ist der richtige Zeitpunkt verpasst, wird\’s schwierig. Hartnäckig nuckelnden Kindergartenkindern können die Eltern den Schnuller durch ein Geschenk ersetzen. Kleine Rituale wie die „Schnullerfee“ oder gemeinsames Wegwerfen des Schnullers erleichtern die Akzeptanz. Meist dauert es nicht länger als drei Tage, bis sich das Kind an das Leben ohne Schnuller gewöhnt hat. Hat der Kinder- und Jugendarzt oder Kieferorthopäde bereits einen offenen Biss festgestellt, kann eine Mundvorhofplatte als Schnullerersatz die Fehlstellung noch zurückbilden. Nach dem vierten Geburtstag kann man das Tauschgeschäft „Schnuller gegen Mundvorhofplatte“ anbieten, um weitere schwere Kiefer- /Zahnfehlstellungen zu stoppen und den Lippenschluss zu trainieren.

 

Der Saugreflex beruhigt Babys

Nicht alle Mediziner sprechen sich vehement gegen Schnuller aus. Der Nuckel wird, mit Einschränkungen, durchaus nicht von jedem Arzt verteufelt. Aus gutem Grund: Die jahrhundertelange Erfahrung hat gezeigt, dass der Schnuller Kinder wirklich beruhigt. Verantwortlich dafür ist der natürliche Saugreflex von Babys. Wenn sie saugen, dann sind sie voll und ganz auf diese Beschäftigung konzentriert, andere Reize bekommen sie kaum mit. Der Reflex befreit auch von unangenehmen Emotionen. Kritiker führen an, dass Babys durch das konzentrierte Saugen das Interesse an der Umwelt verlieren. Untersuchungen haben verdeutlicht, dass Kinder, die bis zu einem Jahr gestillt werden, dem Schnuller viel einfacher entsagen. Um aus der Mutterbrust Milch zu bekommen, müssen die Kleinen sich bis zu 30 Minuten sehr anstrengen, was den Saugreflex befriedigt. Anders bei Babys, die ein Fläschchen bekommen. Dieses kann leicht und rasch ausgetrunken werden, der Saugreflex wird nur mangelhaft befriedigt. Längst ist bekannt, dass der Saugreflex in den ersten Lebensmonaten der wichtigste Reflex ist. Eine gesunde Ausübung kann verhindern, dass die Grundlage für eine spätere schlechte Angewohnheit, wie Rauchen oder Nägelbeißen geschaffen wird. Was also tun? Schnuller oder kein Schnuller – das ist die Frage. Einem Neugeborenen, das gestillt wird, sollte der Schnuller nur dann gegeben werden, wenn es krank oder müde ist, bzw. nicht einschlafen kann. Wichtig: Wenn das Baby ohne Schnuller auskommt, sollten sie ihm auch keinen anbieten. Der richtige Zeitpunkt, um sich vom Schnuller zu verabschieden, liegt zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat, denn die meisten Babys haben nach dem dritten Monat keine Darmkoliken mehr und werden dadurch ruhiger. Sollte die Entwöhnung in dieser Zeit nicht funktionieren, kommen auch schon die ersten Zähnchen, und das Baby wird zu Recht nach dem beruhigenden Schnuller fordern. Achten Sie darauf, dass die Schnuller-Abstinenz unbedingt im ersten Lebensjahr passiert, am besten unauffällig und selbstverständlich ohne jede Gewalt. Flaschenkindern sollte der Schnuller nach jeder Fütterung angeboten erden, damit sie ihren Saugreflex ausreichend befriedigen können. Wenn das Baby müde wird, sollte der Schnuller jedoch unbedingt entfernt werden.

 

Wenn schon, denn schon – welcher Schnuller ist der richtige?

Wählen Sie ein Modell, das kiefergerecht geformt ist – es muss auf der Unterseite abgeflacht sein. Schnuller in Kirschform können, auf Dauer verwendet, zu offenem Biss führen. Sie haben die Auswahl zwischen zwei Materialien: Silikon oder Latex. Silikonsauger bestehen aus hochwertigem Kunststoff, sie halten auch regelmäßiges Auskochen gut aus. Da er leicht zerbissen werden kann, gibt es ihn nur in Größen für Kinder unter 18 Monaten. Latexsauger bestehen aus dem hochwertigen Naturmaterial Latex. Es ist sehr robust und reißt kaum. Leider altert Latex rasch, Schnuller dieser Art müssen deshalb spätestens alle sechs Wochen ausgetauscht werden.

 

Autor: BabyExpress

Fotocredit: George Rudy/shutterstock.com

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