Autismus bei Babys und Kleinkindern

Autismus bei Babys und Kleinkindern

Unter dem autistischen Formenkreis wird ein Spektrum an einander ähnlichen Erkrankungen wie dem frühkindlichen Autismus oder dem Aspergersyndrom verstanden, also tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, die bereits von Geburt an bestehen. Dabei werden Störungen der Eltern-Kind-Interaktion, wie auch Störungen der emotionalen Befindlichkeit verstanden. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt, es wird aber ein Zusammenspiel aus genetischer Disposition, neurophysiologischen Faktoren und Umwelteinflüssen vermutet. Es wird geschätzt, dass ca. 2,24% der Kinder der Altersgruppe von 3 bis 17 Jahren unter einer Form von Autismus leiden, Jungen etwas häufiger als Mädchen.

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Symptome

Bereits in der 7. bis 12. Lebenswoche zeigen sich erste mögliche Anzeichen von frühkindlichem Autismus. So reagieren Babys mit dieser Erkrankung auf Gesichter von Familienmitgliedern nicht mit einem Lächeln, sondern bleiben apathisch und erwidern das Lächeln nicht. Ungefähr ab der zwölften Lebenswoche vermeiden sie auch den Blickkontakt mit den Eltern oder anderen vertrauten Personen, der eigentlich die Basis für die Eltern-Kind-Kommunikation darstellt. Sie imitieren in der Regel auch keine Mimik oder Bewegungen ihres sozialen Umfeldes. Überhaupt agieren sie nicht mit Gesten, ohne sie nachzuahmen oder dazu angehalten zu werden (beispielsweise Winken zur Begrüßung). Umgekehrt reagieren sie auch kaum auf Gesten wie das Zeigen auf einen Gegenstand, stattdessen bleiben sie auf die zeigende Hand selbst fokussiert. Anders als nicht autistische Kinder zeigen Kinder mit frühkindlichem Autismus in der Regel auch nicht auf Gegenstände, um sie anderen zu zeigen. Sie weisen im allgemeinen aber großes Interesse an visuellen Reizen auf, die von den unterschiedlichsten, beispielsweise funkelnden, glänzenden oder sich in Bewegung befindlichen Gegenständen ausgehen.

Babys und Kleinkinder mit frühkindlichem Autismus zeigen oft keine Reaktion auf den Klang der elterlichen Stimmen oder auf das Rufen ihres Namens. Sie strecken meist auch nicht von selbst die Arme aus, um von den Eltern oder anderen vertrauten Personen hochgenommen zu werden. Bedenklich ist, dass Kinder mit frühkindlichem Autismus im Allgemeinen nicht um Hilfe bitten oder Wünsche äußern. Sie werden daher fälschlicherweise oft auch als besonders „brav“, bescheiden oder unabhängig wahrgenommen.
Des weiteren fehlt bereits ab den ersten Lebensmonaten das Interesse an der Interaktion mit anderen Kindern. Sie reagieren kaum oder nicht auf Ansprache und zeigen sich im Umgang mit anderen sogar eher ängstlich. Oft werden von betroffenen Kindern auch einfache Aufforderungen, wie das Zeigen auf bestimmte Gegenstände oder die Bitte, jemandem etwas zu geben, nicht verstanden.
Auch im Verhalten zeigen sich Auffälligkeiten. So interessieren sich autistische Kinder im Allgemeinen für sehr eng beschränkte Aktivitäten und Gegenstände und sich wiederholende Abläufe.

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Autismus bei Baby und KleinkindSehr wichtig für Kinder mit Autismus sind tägliche und ritualartige Abläufe wie das Zu-Bett-Gehen, Mahlzeiten oder Aktivitäten außer Haus. Wichtig ist dabei, dass diese Abläufe keinesfalls durch Abweichungen jeglicher Art gestört werden, da dies das Kind aufbringen und große Verunsicherung bei ihm auslösen kann.

Man sollte auf jeden Fall einen Kinderarzt konsultieren, wenn das Kind mit 16 Monaten noch keine Wörter bzw. mit einem Alter von zwei Jahren noch keine Zwei-Wort-Sätze spricht, die auch Sinn ergeben.
Kinder mit frühkindlichem Autismus zeigen oft nur einige der oben genannten Symptome, genauso wie gesunde Kinder einige wenige Symptome aus dem Autismus-Spektrum aufweisen können. Eindeutiger wird ein möglicherweise bestehendes Krankheitsbild erst mit zunehmenden Alter.

Bevor die Diagnose „(Frühkindlicher) Autismus“ gestellt wird, müssen allerdings andere Erkrankungen, wie zum Beispiel ein Hörschaden bei einer Verzögerung der sprachlichen Entwicklung, ausgeschlossen werden. Wichtig ist hierbei eine genaue Anamneseerhebung.

 

Differentialdiagnose

So kann bei fehlender Interaktion und Kommunikation auch eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen. Auch andere schwerwiegende geistige Beeinträchtigungen können einige Symptome des frühkindlichen Autismus aufweisen, meist besteht bei diesen Erkrankungen jedoch eine funktionierende Eltern-Kind-Interaktion, was gegen eine Autismus-Diagnose spricht.
Die für Autismus typischen Interaktionsstörungen können ebenso bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bestehen. Eine Diagnosestellung ist hierbei sehr schwierig, weshalb diese Erkrankung oft mit dem Aspergersyndrom, einer Form von Autismus, verwechselt wird. Für die Diagnose eines frühkindlichen Autismus muss ebenso das Vorliegen des Rett-Syndroms ausgeschlossen werden, einer Entwicklungsstörung, die unter anderem mit verzögerter bis völlig fehlender Sprachentwicklung auftritt.
Geklärt muss außerdem werden, ob anstelle des frühkindlichen Autismus eine frühkindliche schizophrene Psychose vorliegt. Diese geht jedoch mit Halluzinationen, Wahnsymptomatik, Ich-Störung und einer Verschlechterung eines bereits erreichten Entwicklungsniveaus her, was bei Autismus nicht der Fall ist. Eine schizoide Persönlichkeitsstörung ist ebenfalls schwer von frühkindlichem Autismus und Aspergersyndrom zu unterscheiden, weshalb besonderes Augenmerk auf die Anamneseerhebung gelegt werden muss.

 

Autismus und MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln)

1998 ging der britische Arzt Andrew Wakefield mit seiner These, dass die MMR-Impfung frühkindlichen Autismus auslösen könne, an die Öffentlichkeit. Impfgegner berufen sich seither immer wieder darauf. Mittlerweile gilt es aber als erwiesen, dass zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und Autismus keinerlei Zusammenhang besteht. So ist es – ganz im Gegenteil – gefährlich für Babys und Kleinkinder sowie für Risikogruppen, diese Impfung nicht vornehmen zu lassen.

 

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/diagnose-therapie

 

Fotocredit: UfaBizPhoto, riggleton/Shutterstock.com

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