Fütterungsstörung: Was das ist und wie es behandelt wird

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Fütterungsstörung: Was das ist und wie es behandelt wird

Fütterstörung oder ähnliche Störungen im Essverhalten zeigen 15-25 %, Tendenz steigend, aller gesunden Säuglinge und Kleinkinder. Diese macht sich dadurch bemerkbar, dass die Kinder sehr langsam trinken, extrem wählerisch sind oder Essen vom Teller werfen. Viele toben oder verhandeln mit den Eltern über die zu essenden Portionen, andere schlafen beim Essen ein, dann gibt es Kinder, die ihre Eltern während des Essens zum Alleinunterhalter erziehen und dabei testen, wie weit sie gehen können. Wenn Eltern solche Situationen mindestens einen Monat als schwierig und belastend empfinden, dann sprechen die Experten von einer Fütterstörung.

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Essen als Kommunikation ist der falsche Weg

Im Vergleich zur Essstörung bei älteren Kindern handelt es sich hierbei um eine Wechselwirkung zwischen Kind und Eltern. Das Essen spielt meistens keine Rolle. Das Kind versucht nämlich über Essen seinen Willen durchzusetzen und kommuniziert dies dadurch. Dieses Verhalten kann in seinem Endstadium in einer Herrschsucht enden und sollte daher sehr ernst genommen werden. Viele Eltern reagieren auf die Appetitschwankungen oder Abneigungen mit Zwang, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen. Wenn Eltern über ihr Kind sagen, das es nicht essen will, ist es in den meisten Fällen gleichzusetzen mit – das es nicht das isst, was die Eltern gerne möchten oder nicht soviel wie sie erwarten.

Die meisten Eltern informieren sich sehr gewissenhaft bei Ratgebern über Baby- und Kleinkinderernährung. Sie widmen sich vor allem den Themen, was, wie viel und zu welchem Zeitpunkt. Es wird dabei kaum auf den individuellen Bedarf oder die körperlichen Aktivitäten, die das Essvolumen bestimmen sowie auf die bereits vorhandenen Essfertigkeiten, eingegangen. Ein Forschungsinstitut für Kinderernährung hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass manche Säuglinge am Tag 600 ml und andere im selben Alter 900 ml Milch trinken. Das zeigt ganz deutlich, dass eben jedes Baby ein Individuum ist und es in der Ernährung auch keine Ausnahme macht. „Gestillte Kinder akzeptieren beispielsweise feste Nahrung und Füttern mit dem Löffel oft erst mit acht Monaten oder später.“ Dadurch weichen sie vielleicht von anderen Babys wieder ab und das verunsichert die Mütter. Die dann dem willenlosen Säugling jeden Schluck aufzwingen und dabei vergessen, dass sie dabei den Willen des Säuglings brechen und in das natürliche Hunger/Sättigungsverhalten eingreifen.

 

Hunger und Sättigung

Auch das gerne verwendete Spielen und Ablenken beim Essen führt dazu, dass das Kind manipuliert wird. Jede Art von Zwang und Druck nehmen Stück für Stück die Lust, sich überhaupt mit dem Essen auseinanderzusetzen. Das Vertrauen darauf, dass ein gesundes Kind von Anfang an fähig ist, Hunger und Sättigung zu regeln, dass es weiß, wie viel es wann braucht, scheint mehr und mehr verloren zu gehen. Daher ist es wichtig von Anfang an, wenn Fütterstörungen beginnen, diese zu erkennen und dem entgegenzuwirken. Denn die Kinder brauchen von ihren Eltern vorgegebene Regeln und Strukturen, um sich zurechtzufinden. Das bedeutet, die Eltern wählen die Lebensmittel aus, bestimmen die Qualität des Essens und den Zeitpunkt, wann gegessen wird. Das Kind darf frei aus dem Angebot auswählen. Es entscheidet, ob und wie viel es essen möchte.

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf die Ursachen von Futterstörungen aufmerksam machen: Sollten Sie als Eltern der Auffassung sein, ihr Kind leidet an einer Futterstörung, ist der erste Gang zu einem Kinderarzt. Das Kind wird zuerst nach organischen Ursachen untersucht, damit diese ausgeschlossen werden können. Zu diesen akuten Erkrankungen gehören die Unverträglichkeit für bestimmte Nahrungsmittel oder eine gestörte Mundmotorik. Die nicht organischen Gründe sind viel schwieriger zu erkennen und reichen vom Temperament des Kindes, über Bindungsstörungen zu den Eltern, bis hin zu Elternkonflikten. Diese Probleme bauen sich allmählich auf oder erscheinen unvermittelt, meistens nach Krankheiten, Operationen oder Stresserlebnissen, wie Trennungen. Viele Eltern erkennen diese Anzeichen nicht frühzeitig oder bagatellisieren sie, aus Angst erziehungstechnisch zu versagen. Sie erkennen nicht, dass diese Frühwarnsignale langfristig schwere Folgen in der Beziehung zwischen ihnen und ihrem Kind verursachen.

 

Wenn nur noch eine Therapie das Essverhalten ändern kann

Um die Tragweite deutlich zu machen, zwei Beispiele aus der Praxis, wo in die Fütterstörung nicht vorzeitig eingegriffen wurde: Ein Mädchen aß bis zu eineinhalb Jahren alles, was sie nicht abbeißen oder kauen musste. Die Eltern umsorgten sie und gaben ihrem Willen immer nach. Als das Zahnen begann, bestand sie auf gemixte und dunkelgrüne Nahrung. Ihr Speiseplan bestand aus gemixtem Spinat mit Leitungswasser. Beim Füttern musste der Vater immer daneben sitzen, sonst hätte sie gar nichts gegessen. Dieser Zustand dauerte bis acht Jahre, danach begannen die Eltern eine Therapie. Ein siebenjähriger Junge aß nur Kekse und trockene Brötchen. Etwas anderes aß er nur unter einem aufgeklappten Regenschirm. Auch hier konnten die Eltern nur mir einer zeitaufwendigen Therapie das Essverhalten in den Griff bekommen. Eltern in ähnlichen Situationen, die diesen Weg zu einem Psychotherapeuten nicht gehen, erziehen sich ein herrschsüchtiges Kind, das unter Umständen eine Essstörung bekommen könnte.

 

 

Fotocredit: BonNontawat/Shutterstock.com

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