Mobbing kann schlimme Ausmaße annehmen

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Mobbing kann schlimme Ausmaße annehmen

Längst heißt es in der Schule nicht nur lernen – in zunehmendem Maße sind Kinder mit schwierigen psychologischen Rahmenbedingungen konfrontiert. Mobbying-Attacken darf man als Elternteil daher keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.

Anspucken, Sessel unterm Hintern wegziehen, Schultaschen in den Müll stopfen, im schlimmsten Fall brutale Fäuste, Tritte oder Geld wird erpresst. Im Internet tauchen peinliche Fotos oder bösartige Handy-Filmchen auf. Mobbing an Schulen – auch „bullying“ genannt – ist längst Bestandteil schulischen Alltags. Ziel der Mobber: Ausgrenzen, demütigen, tyrannisieren. Öffentlich bekannt werden meist nur Fälle, bei denen rohe Gewalt im Spiel ist.

 

Mobbing tut der Seele weh

Meist unbeachtet bleiben Demütigungen, die im Verborgenen stattfinden: verbale Gewalt oder Ausgrenzung (mit dir spreche ich nicht). Perfid dabei: Immer mutiger werden Täter, immer mehr schämen sich Gemobbte. Aus eigener Kraft dem Terror entkommen? Aus Angst selbst Angriffsfläche zu bieten, rotten sich viele Schüler auf Seite des Mobbers zusammen oder schweigen. Signalisieren: Mobber, du hast freie Bahn!

Ich hasse die Schule

Eltern ist nicht immer klar, was sich zwischen Kids abspielt. Bedrängte Kinder und Jugendliche neigen dazu, sich zurückzuziehen, in der Seele das beklemmende Gefühl: jetzt geht´s bergab. Und Schuld daran bin ich.

 

Wehret den Anfängen

Täter müssen Widerstand spüren: Bis hierher. Nicht weiter! Je früher desto besser. Deshalb müssen LehrerInnen Ich-Stärke und Zivilcourage zeigen. Klar machen: bin präsent, unterstütze wer Schutz braucht, lasse nicht zu, was nicht zugelassen werden darf. Täter spürten in der Regel schnell, dass sie hier keine Chance haben.

 

Mobbing lauert überall

Einer gegen alle? Viele gegen einen? Gemobbt wird quer durch alle Nationalitäten und Bildungsschichten. Die neuere Mobbing-Forschung interessiert sich weniger für die Person als für die Situation. Was tut ein Jugendlicher, um Opfer zu werden. Und vor allem – was nicht?

Heranwachsende müssen lernen sich zu wehren. Vor allem die Körpersprache entscheide darüber, wie Kids bei anderen ankommen. Sich aufrecht und breitbeinig hinstellen, wütend schauen, mit den Augen rollen signalisiert: Nicht mit mir! Der Mobber erfährt Unerwartetes, tritt einen Schritt zurück. Manchmal genügt schon ein kleiner – einstudierter – Satz, eine selbstbewusste Antwort auf eine Hänselei.

 

7 Tipps von Mobbing-Expertin Rosa Stieger

  • Vertrauensverhältnis: ist dieses vorhanden, öffnet sich der Jugendliche. Spricht über Ängste, Besorgnis, Unsicherheiten oder Wut. Voraussetzung für Eltern, um hilfreich einzuschreiten.
  • Zivilcourage und Moral im Alltag: Leben Sie Ihrem Kind vor, dass Sie eingreifen, wenn Mitmenschen in Ihrer Anwesenheit ungerecht behandelt werden.
  • Stärken Sie Ihr Kind: Es muss erkennen, dass nicht alle Menschen gut sind. Muss den Mut haben sich Hilfe zu holen oder „nein“ zu sagen.
  • Eltern als schützende Autorität: Kinder müssen sicher sein, dass ihnen geholfen wird, wenn sie in Schwierigkeiten oder Not sind. Hilfe heißt auch dann einzugreifen, wenn Ihr Kind falsche oder gar schädigende Verhaltensweisen zeigt.
  • Grenzen respektieren: Wertschätzender Umgang mit anderen ist stets Resultat von (vor)gelebten und entwicklungsfördernden Regeln in der Familie. Ich-starke Kinder verfügen über ein großes Repertoire an prosozialen Verhaltensweisen in der Gruppe.
  • Gemeinsam sind wir stark: Kinder brauchen auch in der Schule Freunde, damit die Integration in der Klasse gelingt. Unterstützen Sie als Eltern Wachsen und Gedeihen dieser Beziehungen.
  • Sich wehren: Ihr Kind sollte im Laufe seiner Entwicklung lernen sich angemessen zu wehren und bei unberechtigten Forderungen oder Angriffen klare Grenzen zu ziehen.

 

Wer hilft im Notfall?

Die Boje, www.die-boje.at

Sozialinfo Stadt Wien, www.wien.gv.at (unter Menschen & Gesellschaft)

Telefonseelsorge, Notruf 142 (ohne Vorwahl, kostenlos, rund um die Uhr), www.telefonseelsorge.at

Weiße Feder, www.gemeinsam-gegen-gewalt.at

Rat auf Draht (147), rataufdraht.orf.at

 

 

Text: Beate Giacovelli

Fotocredit: Rido/Shutterstock.com

 

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