Kleinkind hat Wutanfall

Trotzphasen – was ist dran?

Was steckt wirklich hinter den Wutausbrüchen?

Sie verwandeln sich in Monster. Unsere süßen und unschuldigen Babys werden über Nacht zu laut brüllenden, beißenden, um sich schlagenden Tyrannen. Zumindest ist das der äußere Anschein. Doch dahinter versteckt sich ein kompliziertes Gerüst aus Emotionen. Was wirklich hinter einer Trotzphase steckt und wie Sie mit Geduld und Verständnis mehr erreichen als mit Schimpfen, das möchten wir Ihnen hier näher bringen.

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Die Autonomiephase

Je älter Kinder werden, desto mehr werden sie feststellen, dass ihre Wünsche und Vorlieben nicht immer mit denen ihrer Mitmenschen übereinstimmen und es deshalb vorkommt, dass sie nicht erfüllt werden. Dies führt zu Gefühlen wie Wut, Trauer, Enttäuschung und Angst konfrontiert – Willkommen in der Trotzphase. Ihr Kind lernt nun diesen emotionalen Stress auszuhalten – und zwar von Ihnen. Je einfühlsamer Sie den Gefühlen Ihres Kindes in der Trotzphase begegnen desto mehr Empathie wird Ihr Kind später für andere aufbringen können.

Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr haben Wutanfälle ihren Höhepunkt. Sie sind ein Ausdruck „primären Copings“. Schreien, beißen, um sich schlagen sind Ausdruck des Versuchs, die stressauslösende Situation zu verhindern. Lassen Sie Ihr Kind in diesen Situationen nicht alleine wüten, weil Sie meinen, dass es damit selbst fertig werden müsse. Eine feinfühlige Unterstützung bei Wut und Stress, oder besser gesagt eine Fremdregulation durch die Eltern, noch sehr wichtig!

Biologie in der Trotzphase

Bei Kleinkindern dominiert im Gegensatz zu älteren Kindern und Erwachsenen die rechte Gehirnhälfte. Diese lässt unsere Kinder intuitiv, gefühlvoll und spontan sein, während die linke Gehirnhälfte ihr rationales Denkvermögen lenkt. Gerät Ihr Kind in eine Stresssituation, kann es schnell passieren, dass die vernünftige, geduldige linke Gehirnhälfte Ihres Kindes komplett ausgeschaltet wird. Die linke Gehirnhälfte verarbeitet aber auch Informationen aus der Umgebung. Deshalb hat es absolut keinen Sinn auf ein Kleinkind, das gerade einen Wutanfall hat, wenn auch noch so beruhigend einzureden. Es versteht Sie nicht! Es kann Sie nicht verstehen.

Welche Maßnahmen helfen in der Trotzphase?

Rekapitulieren wir: Die linke Gehirnhälfte denkt rational und verarbeitet Informationen aus der Umgebung, die rechte Gehirnhälfte ist emotional und versteht Mimik und Gestik. Die rechte Gehirnhälfte funktioniert während einer Trotzphase ausgezeichnet.

Gehen Sie also auf Augenhöhe mit Ihrem Kind und nehmen Sie ersten Kontakt auf. Dazu eignet sich das Spiegeln. „Du bist wütend. Du schreist nein, nein, nein!“ Der wirklich alles entscheidende Punkt dabei ist, den richtigen emotionalen Ton zu treffen. Man darf die kindliche Emotion in Stimme und Körpersprache nicht zu stark wiederspiegeln oder gar lächerlich überziehen – dann fühlt es sich unverstanden und nicht ernst genommen. Man darf aber auch nicht genervt oder halbherzig spiegeln. Sie müssen wirklich offen sein für die Gefühle Ihres Kindes. Der Hintergrund des Spiegelns ist, Ihrem Kind das Gefühl zu geben, dass Sie seine Gefühle ehrlich respektieren und wirklich verstanden haben.

Außerdem sollten Sie nur in kurzen Sätzen sprechen. Ihr Kind hat in einer Trotzphase nicht die Fähigkeit langen Sätzen zu folgen. Wiederholen Sie diese prägnanten Aussagen immer wieder, bis sie im Gehirn Ihres Kindes aufgenommen und verarbeitet werden können. Das kann eine Weile dauern.

Nach sechs bis acht Wiederholungen wird Ihr Kind erkannt haben, dass Sie es verstanden haben und es wird sich beruhigen. Die linke Gehirnhälfte nimmt langsam wieder Fahrt auf. Dies ist der Moment, an dem unser „Aber“ kommen kann. Natürlich wird unser Kleinkind immer noch keinen Freudentanz über Ihren Einwand aufführen. Unter Umständen flammt die Trotzphase erneut auf, doch dieses Mal bereits in abgeschwächter Form. Dann gilt es erneut, die Gefühle Ihres Kindes zu spiegeln.

Kompromiss finden

Sie werden nicht immer die Möglichkeit haben, einen Kompromiss zu finden, in dem Sie und Ihr Kind als Gewinner vom Platz gehen. Die gute Nachricht: Das ist okay! Aber Sie sollten so oft wie möglich versuchen, Lösungen anzubieten, bei denen Ihr Kind das Gefühl hat, gehört und respektiert worden zu sein. Geben Sie diesem Gedanken eine ehrliche Chance, werden Sie überrascht sein, wie oft das möglich ist.

 

Autor: Redaktion/Kerstin

Fotocredit: Sharomka/shutterstock.com

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