Fremdeln bei Babys

Fremdeln bei Babys

Wer beispielsweise in Thailand einem Baby übers Köpfchen streicht, hat Glück, wenn er nur böse Blicke erntet. Der Kopf eines fremden Kindes ist tabu, denn im Glauben der Thais lebt dort die Seele des Kindes. Das ist ein wirklich arger Unterschied hierzulande. Nahezu jeder Erwachsene nimmt sich das Recht heraus, einem fremden Baby den Kopf zu streicheln oder es in den Bauch zu knuffen. Und in den ersten Lebensmonaten lassen sich die Babys das auch treu lächelnd gefallen. Sie lächeln jeden an, der zurücklächelt, flirten schamlos mit wildfremden Menschen und das Kompliment mit welch freundlichem Kind man es hier zu tun habe, hören alle Eltern gerne.

 

Jedes Kind fremdelt

Doch von einem Tag auf den anderen ist es vorbei mit freundlichem Lächeln und Flirten. Der einstige Sonnenschein verzieht das Gesicht und fängt an zu weinen, wenn ihn nur ein Fremder – und das ist bis auf die Eltern fast jeder – anschaut. Irgendwann zwischen dem 6. und dem 8. Monat fremdelt jedes Kind. Wann diese wichtige Entwicklungsphase beginnt, kann man ziemlich genau feststellen. Eine typische Situation wäre hier, wenn Mutter und Kind auf dem Boden spielen und es kommt ein „Fremder“, wie beispielsweise ein Nachbar herein, den das Kind eigentlich kennen müsste. Das Kind krabbelt sofort zur Mutter und will auf den Arm genommen werden. Nun wird diese genau beobachtet. Wenn sie ruhig und gelassen wirkt, so wird sich das Kind nach einiger Zeit wieder den Spielsachen zuwenden und aus dem Augenwinkel heraus den „Fremden“ im Auge behalten.

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Fremdeln bei Babys

Nimmt die Mutter jedoch eine Abwehrhaltung ein, so wird das Kind auf ihrem Schoß sitzen bleiben und von dort aus den „Fremden“ beobachten. Überschreitet die fremde Person den Sicherheitsabstand, so wird das Baby zu weinen anfangen. Im positiven Fall – bleibt der Sicherheitsabstand also gewahrt und ist die Mutter ruhig wird sich das Kind irgendwann dem „Fremden“ zuwenden. Dann hat nämlich die Neugier gesiegt. Der wichtige Entwicklungsschritt beim Fremdeln liegt darin, dass das Kind sich jetzt sympathische Menschen selbst aussucht. Es lernt bekannte und unbekannte Menschen zu unterscheiden. Dies ist eigentlich ein ausgeklügeltes Schutzsystem von Mutter Natur, denn wenn das Kind mobiler wird, trifft es in seiner Umwelt auf alle möglichen neuen – vielleicht auch gefährlichen – Dinge. Ein gesundes Misstrauen schadet deshalb in keinem Fall. Trotzdem ist es wichtig, dem Kind Vertrauen in die Umwelt zu vermitteln.

Der richtige Umgang mit „fremdeln“

Versuchen Sie die Angst, im Umgang mit fremden Menschen, zu mildern und sprechen Sie beruhigend auf das Kleine ein. Das gibt ihm ein sicheres Gefühl. Bewahren Sie auch stets den Körperkontakt zu Ihrem Kleinen. Wenn es tatsächlich Angst bekommt oder zu weinen beginnt sind Sie sofort zur Stelle und können es auf den Arm nehmen. Nehmen Sie, wenn Sie weg gehen, vertraute Dinge, wie Spielzeug oder Kuscheltiere mit, das gibt ebenfalls Sicherheit. Und bewahren Sie Grenzen, denn jedes Kind hat das Recht auf seinen Intimbereich, auch ein Erwachsener lässt sich nicht von jedem betatschen. Deshalb sollten Sie Ihr Kind keinesfalls ermuntern, seine Angst zu ignorieren. Nehmen Sie es stets ernst und geben Sie es niemals gegen seinen Willen auf den Arm eines „Fremden“. Das Fremdeln vergeht so schnell, wie es gekommen ist und ist ein wichtiger Entwicklungsschritt in der Entwicklung Ihres Babys.

 

Autor: Redaktion / Katrin

Fotocredit: RGB12, Christin Lola /Shutterstock.com

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