Erste Hilfe bei Baby und Kind

Eltern sollten über Erste Hilfe bei Baby und Kind gut Bescheid wissen. Denn in Österreich ereignen sich jährlich rund 173.000 Unfälle mit Kindern, davon entfallen wiederum 85 % auf den Bereich Haushalt, Hobby und Freizeit. Trotz sorgfältiger Aufsichtspflicht und getroffener Vorsichtsmaßnahmen in Bezug auf Unfallverhütung ist ein Sturz oder eine Verbrennung bei einem Baby schnell passiert. Dann ist schnelle Hilfe vonnöten. Eltern sollten sich prophylaktisch mit dem Thema „Erste Hilfe bei Baby“ und „Richtig handeln im Notfall“ auseinandersetzen. Somit sind sie im Falle eines Unfalles gut vorbereitet und wissen, was zu tun ist.

Die wichtigsten Verhaltensregeln im Notfall

Ruhe bewahren

Der wichtigste Grundsatz bei einem Kinderunfall ist wohl auch der schwierigste für Eltern. Anwesende Erwachsene, die Zeuge des Unfalles werden, müssen unbedingt Ruhe bewahren. Reagieren erwachsene Personen in dieser Ausnahmesituation hysterisch und aufgeregt, signalisieren sie dem kleinen Patienten, dass es sich um eine furchtbar schreckliche Situation handeln muss und das Baby wird noch panischer. Deshalb müssen Eltern bzw. anwesende Erwachsene, die dem Baby Erste Hilfe leisten, unbedingt Ruhe ausstrahlen und dem Kind Sicherheit vermitteln. Nach oben zur Übersicht »

Kind aus Notsituation retten und Selbstschutz beachten

Nachdem ein Kinderunfall passiert ist, muss sich der Erste-Hilfe-Leistende rasch einen Überblick über die Gefahrensituation verschaffen. Ist eine weitere Verletzung am Unfallort möglich (z.B. durch Stromschlag), muss das Baby schnellstmöglich von der Unfallstelle geborgen werden. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der Ersthelfer nicht selbst verletzt wird, auch wenn man dem verletzten Kind so schnell wie möglich helfen möchte. Ist z.B. der Stromkreis unterbrochen, kann der Helfer sich ohne eigene Verletzungsgefahr dem Unfallopfer nähern und es bergen.
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Unfallstelle sichern

Um Folgeunfälle zu vermeiden, ist die Unfallstelle abzusichern. Der Helfer muss z.B. den Stromkreis unterbrechen oder bei einem Unfall auf einer Straße die Unfallstelle mit Pannendreieck für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar kennzeichnen.
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Beruhigend auf das Baby einwirken

Der Helfer versucht nun, beruhigend auf das Baby einzuwirken. Natürlich macht die Situation dem Kind Angst, es hat wahrscheinlich auch Schmerzen und steht eventuell unter Schock. Streicheln und ruhiges Sprechen geben dem kleinen Patienten Sicherheit, er weiß, dass er nicht alleine ist. Nach oben zur Übersicht »

Rasche Erstuntersuchung des Babys auf Verletzungen

Während der Ersthelfer beruhigend auf das Unfallopfer einwirkt, untersucht er es zeitgleich rasch auf offensichtliche Verletzungen. Diese Erstuntersuchung kann lebensrettend sein, übermittelt der Retter doch seine Beobachtungen direkt der Rettungsstelle, wenn er den Notruf absetzt. Nach oben zur Übersicht »

Kontrolle von Atmung und Puls

Auf die rasche Erstuntersuchung auf Verletzungen folgt die Überprüfung, ob das Baby atmet. Am Bauch erkennt man am schnellsten, ob ein Kind atmet. Mit einer Hand unterhalb der Rippen spürt man ein Heben und Senken der Bauchdecke. Zusätzlich müssen die Atemwege kontrolliert werden, ob sie frei sind. Bei Säuglingen überprüft man den Herzschlag an der Innenseite des Oberarms oder in der Leiste. Bei älteren Kindern fühlt man den Puls an der Halsseite. Das Auffinden des Pulses beim gesunden Kind hilft in Notsituationen und gibt Sicherheit, bei einem Unfall richtig zu handeln.

Ist kein Herzschlag mehr spürbar und/oder atmet das Kind nicht, muss der Ersthelfer sofort einen Notruf über 112 oder 144 absetzen. Es droht Lebensgefahr!

Ist keine Atmung und/oder Puls mehr nachweisbar, beginnt der Helfer sofort nach Alarmierung der Rettungskräfte mit Mund-zu-Nase-Beatmung und der Herzmassage. Bei Babies werden Mund und Nase gemeinsam beatmet. Vor der Herzmassage immer zuerst mit Mund-zu-Nase-Beatmung beginnen, damit die Sauerstoffversorgung im Blut gesichert ist. Mehr Sicherheit bei Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Beatmung und Herzmassage vermitteln speziell angebotene Erste-Hilfe-Kurse für Babies und Kleinkinder. Auch geben sie einen guten Überblick über Unfallverhütung und sorgen somit für mehr Sicherheit im Alltag mit Kindern.
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Notrufnummer wählen und Hilfe anfordern

Nachdem sich der Helfer einen ersten Gesamtüberblick über die Unfallsituation und der verletzten Person verschafft hat, wählt er nun in Österreich die Notrufnummer 144 und bittet um rasche Hilfe. Je nach Schwere der geschilderten Verletzung wird zusätzlich der Notarzt angefordert. Deshalb ist es lebensnotwendig, der Rettungs-dienststelle so viele Angaben wie möglich innerhalb kürzester Zeit zu übermitteln. Der Anrufer sollte ruhig sprechen und folgende fünf W’s befolgen:

  • Wo ist der Unfall passiert? Angabe von Name des Anrufers und Anschrift bzw. genaue Beschreibung des Unfallortes
  • Was ist passiert? Beschreibung des Unfallherganges
  • Wie viele Verletzte befinden sich am Unfallort (bei Kindern zusätzlich das Alter nennen)?
  • Welche Verletzung – z.B. Verbrennung, Stromschlag, offener Knochenbruch – liegt vor?
  • Warten auf Rückfragen! Das Notruf-Gespräch wird nur von der Rettungsdienststelle beendet, der Ersthelfer wartet, bis alle Fragen beantwortet sind.

In Österreich sind folgende Notrufnummern rund um die Uhr erreichbar:

  • 122 Notruf Feuerwehr
  • 133 Notruf Polizei
  • 144 Notruf Rettung
  • 112 Euronotruf, gebührenfrei (ebenfalls von einem Handy ohne Guthaben wählbar; Anrufer wird automatisch in die nächstgelegene Notrufzentrale umgeleitet)
  • 01/406 43 43 Vergiftungsinformationszentrale Wien

Eltern finden alle wichtigen Notrufnummern in Österreich für rasche Hilfe bei einem Unfall mit Baby oder Kind als Download. Als zusätzliche Hilfe hat sich eine „Notfall-Karte“ im Haushalt mit Kindern bewährt. Eltern notieren relevante Telefonnummern von Hausarzt und Kinderarzt sowie eventuell vorhandene Allergien. In Notfällen sind sowohl Erste-Hilfe-Leistende als auch Rettungssanitäter und Notarzt rasch und genau informiert. Nach oben zur Übersicht »

Stabile Seitenlage bei Baby und Kind

Die Stabile Seitenlage ist eine seitliche Lagerung des Unfallopfers bei Bewusstlosigkeit. Durch diese Lagerung bleiben die Atemwege frei und verhindern ein Ersticken des Kindes durch seine Zunge, Speichel oder Erbrochenem. Die korrekte Ausführung der Stabilen Seitenlage wird bei einem Erste-Hilfe-Kurs erlernt.

Bei Babies und Kleinkindern ist die Stabile Seitenlage – an die Körpergröße abgeändert – durchzuführen:

  • das Kind wird auf den Bauch gelegt
  • der Kopf wird auf die Seite gedreht
  • der Mund des Säuglings wird geöffnet

Schulkinder können wie Erwachsene in die Stabile Seitenlage gebracht werden:

  • Der näher zum Ersthelfer liegende Arm des Bewusstlosen wird im rechten Winkel auf die Seite gelegt.
  • Nun fasst der Ersthelfer den gegenüberliegenden Arm am Handgelenk und das gegenüberliegende Bein in der Kniekehle und führt das Kniegelenk zum Handgelenk, sodass Arm und Bein mit dem Körper ein stabiles Dreieck bilden.
  • Nun wird der Bewusstlose vorsichtig in die Seitenlage gedreht.
  • Der Kopf des Notfallpatienten muss nackenwärts überstreckt und das Gesicht mit geöffnetem Mund dem Boden zugewandt werden, damit Blut, Erbrochenes oder Schleim abfließen können.

Quelle: www.roteskreuz.at

Einen guten Einblick zur korrekten Ausführung der Stabilen Seitenlagerung gibt auch folgendes Video:


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Verbandskasten – Was gehört hinein?

Nicht nur in jedes Auto gehört ein vollständiger und gut ausgestatteter Verbandskasten. Jeder Haushalt, aber besonders ein Haushalt mit einem Baby oder Kind, muss für Notfälle mit einem perfekt sortierten Verbandskasten ausgerüstet sein. Verbandsmaterial und Medikamente gehören nicht zusammen. Medikamente, Tabletten und Salben werden unzugänglich für Kinder in der Hausapotheke aufbewahrt. Der Verbandskasten muss für jedermann gut erreichbar sein, im Idealfall ist der Aufbewahrungsort klar gekennzeichnet. Somit wird die Ersthilfe bei einem Kinderunfall beschleunigt.

Inhalt eines Verbandskastens

  • Haut- und Schleimhautdesinfektionsmittel (der Kinderarzt verschreibt Ihnen gerne eine nicht brennende, kinderfreundliche Substanz)
  • Heftpflaster
  • Wundschnellverband (Heftpflaster mit Mullkissen als Wundauflage für kleine, nicht stark blutende Wunden)
  • Verbandpäckchen (Mullbinde mit größerer, saugfähiger Wundauflage für größere, stärker blutende Wunden)
  • Mullbinden
  • elastische Binden
  • Verbandschere

Quelle: www.kindersicherheit.de
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Häufige Unfallsituationen mit Baby

Natürlich möchten alle Eltern, dass es ihrem Baby gut geht und es eine unbeschwerte Kindheit ohne Unfälle erlebt. Aber Notsituationen entstehen schnell und manchmal unvorbereitet, rasche Erste-Hilfe-Leistung ist daher notwendig und lebenswichtig. Deshalb ist eine prophylaktische Auseinandersetzung mit dem Thema „Erste Hilfe für Baby“ wichtig und hilft, Leben zu retten.

Fotocredit: Dmytro and Krystyna/Shutterstock.com

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